Leica M11 Monochrom - weg von Optionen hin zu Entscheidungen
- Sven Edel
- vor 1 Tag
- 6 Min. Lesezeit
Im 4. Quartal 2025 ist der Leica Store Heidelberg mit einer 0%-Finanzierung mit bis zu 48 Monate Laufzeit vorgeprescht. Was hieß das für mich als "Zahlenmensch": yeah, Leica in "neu" zu reduzierten Preisen 😋 Stichwort: Barwertermittlung. So hätten wir einleitend schon die mir so schön zurechtgelegte Argumentation, weshalb ich ziemlich spontan bei der M11 Mono zugegriffen habe. Ausnahmsweise hätten wir damit sogar ganz vorne angefangen.
Ab jetzt wird es interessanter, versprochen 😉

Eine M ohne Farbe.
Eine Kamera, die dich ganz und gar auf Licht - oder kein Licht - reduziert.
Keine Möglichkeit Farbe aufzunehmen, da hardwareseitig schlicht und ergreifend nicht die Möglichkeit dazu besteht.
Also die ultimative Reduktion auf das Wesentliche?
Und wenn ja:
Was macht es mit mir?
Mit meiner Fotografie?
Meiner Art zu sehen?
🤷🏼
Das erste Mal hatte ich eine Monochrom in 2020 im Leica Store im Leitz Park in der Hand. Genauer gesagt war es sogar das allererste Mal, dass ich jemals eine M in der Hand hatte. Was für ein teurer Moment das war, weiß ich erst heute 🤑
Ich kann mich noch sehr gut an dieses Gefühl erinnern, wie ich die M10 Monochrom in die Hand nahm. Die Schwere war mir, wie so vielen anderen, direkt aufgefallen. Wie hochwertig das Ding verarbeitet war. Und dann dieser komische Messsucher, von dem sich alle anderen Hersteller verabschiedet haben und der in Zeiten fast perfekter EVFs ein wenig wie ein Anachronismus wirkt. Dazu noch ein nicht vorhandener Bayerfilter. Für die Nicht-Techniker: dieses Ding, das ich da in der Hand hielt konnte - und kann - nur Licht erkennen. Hell und dunkel. Farben werden über den Bayerfilter erkannt. Den gibts hier einfach nicht.
Kurzgesagt: Faszination pur!
Da hat mich wohl das vielzitierte Nervengift gepackt und seitdem nicht wieder losgelassen. Wow, das war speziell, eine M ... und noch dazu eine M ohne Farben. Hey, wtf? Ich stehe ja auf nieschiges und das ist ja wohl so richtig nieschig. Geil dazu 🤩 Denn ich stehe voll auf schwarz-weiß-Fotografie, verliere mich aber zu oft "in der Angst", nicht auf sw-jpg zu gehen, damit bei tollen Farben noch ein Backup da ist. Vielleicht einer der Gründe, weshalb es gute 6 Jahre dauern sollte, bis ich selbst bei einer Mono zugriff. Zu oft war zwischenzeitlich der Verstand dazwischen gegrätscht.
"Man sieht in den Ergebnissen eh keinen Unterschied zu einem in sw konvertierten Bild aus der M11-D."
"Du beraubst dich der Möglichkeit mit Farbe zu fotografieren."
"Anna-Lena steht nicht sonderlich auf schwarz-weiße Bilder. Gelinde gesagt,... und ein wesentlicher Teil meiner Bilder sind Familie und Kinder..."
"Wenn es dann nix für dich ist, hast du viel Geld in den Sand gesetzt."
Verdammter Verstand 🖕🏻
Dann die Erkenntnis der letzten Jahre: Fotografie ist mein Hobby und meine Leidenschaft. Scheiß auf Verstand. Mein Herz schlägt für Mono, also gibt es Mono. Gesagt getan, am 31. Oktober 2025 wurde ich stolzer Eigentümer einer M11 Monochrom. Ab dann hieß es: ob das so die richtige Entscheidung war?

Erstmal zur Kamera: Die M11 Mono ist die jüngste Reinkarnation einer monochromen M-Kamera und seit 2023 auf dem Markt, mittlerweile die 4. M ohne Farbe. Irgendwie scheint es ja für sowas einen Kundenkreis zu geben.
Ach, apropos Kundenkreis... Hierzu hat Matt Granger mal etwas lustiges zur M10 Mono gebracht: <klick mich>
"for theses 36 people is this camera"
Für wen ist also diese Kamera? Bei Marktanteilen läuft Leica selbst regelmäßig unter "sonstige". Stand 2017 war das 1%. Innerhalb der Leica Camera hat die M wohl 40% Anteil (unklar, ob Umsatz oder Stückzahl, wohl aber eher Umsatz) bei insgesamt ca. 15.000 bis 20.000 M-Bodies p.a., wovon ca. 5.000 Analoge, also M6, MP und M-A, sind.* Im Vergleich dazu: Canon hat 2024 über 2 Mio. Einheiten verkauft, also über das Hundertfache. Bei einer "normalen" M reden wir schon über ein Nischenprodukt. Die M als Mono ist daher die Nische in der Nische. Dies ist übrigens - für all die Hater da draußen - einer der Gründe, weshalb die Preise bei Leica einfach andere sind: die Stückzahlen sind verdammt niedrig. Wer das nicht versteht, dem verkaufe ich gerne einen Grundkurs BWL 😅
*leider habe ich keine Möglichkeit die genannten Werte zu verifizieren und muss diese daher als korrekt annehmen!!!

Bei der Recherche zu diesem Blogartikel habe ich mal ChatGPT genutzt und zwei mega gute Sätze erhalten:
"Die Leica M11 Monochrom ist nicht für den Markt gebaut.
Sie ist für eine Haltung gebaut."
"In einer Welt voller Optionen ist sie eine Entscheidung."
Zurück zur Kamera. Aufs Datenblatt will ich garnicht eingehen. Ist nicht spannend, da es im Grunde eine M11 ohne Farbe und mit geändertem Design ist. Finito. Das war's. Alternativen gibt es außerhalb des Hauses Leica nicht. Ok, Pentax hat eine APS-C sw-Kamera rausgebracht, von der ich jedoch nach deren Release nichts mehr gehört habe. Würde mich mal interessieren, ob sich die Pentax K-3 Mark III Monochrom etabliert hat. Mein Gefühl sagt nein. Innerhalb des Hauses Leica gibt es noch die Q2 und Q3 in monochromer Version, sind damit wohl dem, was eine M ist und besonders macht, am nächsten.



Was einer M11 Mono aber tatsächlich am nächsten kommt, ist wohl eine analoge M mit sw-Film. Whaaaaat? Ja genau, denn es ist nicht die Technik, die die Mono besonders macht. Klar, ISO 100.000 und solche Spielereien. Nice, really. Aber wirklich interessant ist die Mono, weil sie etwas mit einem macht. Sie verändert das Sehen und die Wahrnehmung.




"Wenn du dich mit dem Teufel einlässt, verändert sich nicht der Teufel, der Teufel verändert dich." (Zitat aus dem Film 8mm) 😈
Ich höre schon wieder die Unkenrufe: "Ich kann meine Kamera auch auf schwarz-weiß stellen". Klar, das sind die Gleichen, die zur D-Variante, also die ohne Display, sagen: "Ich brauch ja nicht auf mein Display schauen." Echt jetzt? Mich würde mal interessieren, wie viele dieser Nasen jemals den Schritt zur Mono - oder eben zur D - gewagt haben. Also eine Idee hätte ich da...

Nun ja, während der kurzen Zeit zwischen "muss ich haben" und "vielen Dank für deinen Einkauf im Leica Store Heidelberg" hatte ich etwas zur M11 Monochrom recherchiert... und erstaunlich wenig gefunden. Ob es Blogartikel, Reviews oder YouTube-Videos sind, es findet sich nicht so furchtbar viel zur M11 Mono. Erklären kann ich mir das nur damit, dass sie technisch eben "nichts besonderes" ist. Wobei, das ist verkehrt. Sie ist technisch nicht besonders schwierig zu erklären. Und vielleicht macht sie das gerade für YouTube nicht so interessant!?


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Damit wäre also geklärt, was die Mono nicht interessant macht. Was macht sie dann aber interessant? Eben das, was ich weiter oben schonmal angerissen habe. Die "Arbeit" mit einer Mono verändert die Wahrnehmung. Nicht nur, wenn die Mono mit unterwegs ist, sondern auch dann, wenn sie gerade mal nicht dabei ist. Ich achte seit geraumer Zeit viel mehr auf Lichteinfälle, Strukturen, Formen, Hell-Dunkel-Kontraste, also all das, was (für mich) ein spannendes oder gutes Schwarz-Weiß-Bild ausmacht.



Meine Bilder haben sich durch die Mono nur mittelbar geändert. Denn unmittelbar ist es mein Sehen, die Wahrnehmung, die sich massiv geändert hat. Bei Farbbildern sehe ich oft das Heute. Aktuelle Trends, Mode und die visuelle Ära. All das verliert in Monochrom seine Bedeutung. Alles wird auf Licht reduzeirt. Nicht auf Objekte. Bilder werden zeitlos. Farbe lenkt nicht ab, sie fehlt bewusst. Es verbleiben Strukturen, Kontraste. Emotionen!


Darüber lässt sich mit schwarz-weiß erheblich mehr spielen, abstrakter fotografieren und es wird durch den Betrachter immer noch als visuell ansprechend hingenommen. Wieso ist das so? Weil wir die Welt in Farbe sehen. Der Welt die Farbe zu nehmen führt ohnehin schon zu einem abstrakten Bild. Wenn jetzt noch die Kontraste extrem hoch sind, macht es nur ein sowieso schon abstraktes Bild noch ein wenig abstrakter. Das gleiche Vorgehen bei Farbfotos würde unter Garantie zu Bildergebnissen führen, bei denen nicht wenige das Gesicht verziehen.


Also: Fehlen mir Farben in meinen Bildern? Wer bis hierhin gelesen hat, kann sich die Antwort wohl selbst geben. Nein, ganz klar, nein. Ich habe mich voll und ganz der monochromen Fotografie hingegeben und wurde mit einer unfassbar spannenden Erfahrung belohnt. Werde ich der Farbfotografie damit vollumfänglich den Rücken kehren? Ein ebenso klares nein, dafür wird meine liebe Anna-Lena schon sorgen 😘

P.S.: noch mehr Bilder aus der Mono gibt es in meinem Artikel zu Venedig


