Wenn die Leidenschaft unter die Haut geht
- Sven Edel
- vor 4 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Es ist Dienstag, der 10. Februar 2026, 13:32 Uhr und ich liege seit gut 1,5 Stunden schmerzerfüllt auf dem Bauch. Genauer gesagt im Tattostudio Artengold in Koblenz. Oh je, ich mache es wirklich und lasse mich tätowieren. Mit fast 37 Jahren mein erstes Tattoo. Da lassen sich andere ihres schon wieder wegmachen.
Fuck it, das ist deutlich schmerzhafter, als ich erwartet habe. Und dann der Blick auf den Zwischenstand:

So richtig weit sind wir noch nicht…
Das, was da ist, gefällt mir schon irre gut. Aber da liegt noch ein weiter Weg vor uns. Vor mir.
< kurze Pause >
Jetzt gab es eine Kleinigkeit zu essen. Pasta Bolognese, Pepsi und ’ne kleine Tüte Chips 😅
Ach, eigentlich würde doch der Filmstreifen mit Nemo genügen.
Das ist doch schon schön.
No way. Der Point of no Return war mit dem ersten Nachdelstich erreicht. Und da sind wir dann doch - glücklicherweise 😜 - weit drüber hinaus. Hier ist der Weg so ganz und garnicht das Ziel.
Was ist denn eigentlich das Ziel? Die wichtigsten Dinge und Menschen in meinem Leben für immer zu bewahren: mein Sohn Leo, meine Tochter Leni, unser Mops Nemo und meine Leica MP mit 35mm Summilux Asph., die sinnbildlich für meine Liebe zur Fotografie und den M-Kameras steht.
Ja, meine Frau gehört natürlich (!) auch dazu, aber irgendwie soll man den Ehegatten ja nicht tätowieren lassen. Wieso eigentlich nicht? Die Kinder können einem auch den Rücken kehren. Ok, die bleiben dann aber immernoch die Kinder. Beim Partner ist das was anderes. So What. Gehört nicht an diese Stelle die Diskussion.

das Bild, das dem Tattoo als Vorlage dienen soll
Sodele, das soll es also werden, ein Statement an meine wichtigsten Lebensinhalte. Spannend eigentlich, wo mir mein Job doch sonst so unendlich wichtig ist. An den hatte ich hierbei nicht mal einen einzigen Gedanken verschwendet. Vielleicht sollte ich über diese Tatsache mal nachdenken. Später. Nicht jetzt.
Ein Leica-Tattoo… irre 🤯 eine laufende Litfaßsäule… könnte man meinen. Der - oder die - versteht aber nicht, was diese Kamera bedeutet. Mir bedeutet. An der Stelle ist es auch ganz egal - sorry Wetzlar - dass es eine Leica ist. Zufälligerweise sind es ausschließlich diese M-Kameras, die so viel mehr sind als nur etwas Metal, Glas und andere Elemente zu einer sinnvollen Einheit zusammengesetzt. Sind sind ein Statement, aus dem Alltag und der Hektik zu entfliehen und sich auf den Prozess des Fotografierens und das Motiv zu fokussieren.
< zwei Tage später >
Nun liege ich zur 2. Session auf dem Bauch und, was soll ich sagen, es ist nochmal so viel schmerzhafter als vorgestern. Laut Diego, meinem Tattooartist, ist das auch ganz normal und er lacht darüber 😅 Ich dagegen beiße mir auf Zähne und Finger, weil es in Teilen fast unerträglich ist. Nicht nur der Schmerz, auch das, wie es sich anfühlt. Als würde einer mit einer glühenden Nadel im Fleisch rumstochern und daran ziehen.
Jedoch entschädigt jeder Blick, auf das, was da entsteht:

Mittlerweile ist es 17:10 Uhr am 2. Tag der Tattoosession. Wir sind schon wieder gute fünf Stunden dran. Die gute Nachricht: Heute werden wir fertig. Ich persönlich: Fix und fertig... Wenn ich so über die Schulter nach unten schaue, sieht es schon gut aus. Sehr, sehr gut. Ich will echt nicht jammern, aber die Schmerzen sind kaum noch zu ertragen und ich bin mir im Moment ziemlich sicher, dass es mein einziges Tattoo bleiben wird. Vielleicht ist es aber wie mit Kindern. Da sagt man ja auch, dass man die Übermüdung und Anstrengung vergisst. Also meine Frau und ich haben das nicht vergessen 😅
"Shadings are nearly done" sagt der Tättowierer. Wohoo! Na immerhin.
Was folgt denn dann noch 🤯? Ein paar Details in weiß, wie die Schrift am und im Objektiv, der Fadenzug,, usw.
Tatsächlich ist es dann kurz vor 19:00 Uhr geschaftt. Nach irgendwas um die 12 bis 13 Stunden auf der Pritsche, verteilt auf zwei Tage, ist es geschafft. Ich bin geschafft 😜 Und glücklich, dass ich den Schritt gewagt habe, meine Lieben und meine Leidenschaft unter die Haut bringen zu lassen. Und ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen:



